Gammelfleisch in Umlauf
München . Der Großteil des in München ausgelieferten
Gammelfleisches ist offenbar bereits verzehrt. Der Sprecher des
Kreisverwaltungsreferats (KVR), Christopher Habl, sagte am Montag,
der verdächtige Großhändler habe laut Lieferlisten der vergangenen
14 Tage an 26 Betriebe verdorbenes Fleisch verkauft. Bei Kontrollen
seien in fünf Betrieben Auffälligkeiten entdeckt worden, die auf
Umetikettierungen oder gammeliges Fleisch hindeuteten. «Wir gehen
davon aus, dass der Großteil des Fleisches schon verzehrt ist.»
Unter den belieferten Betrieben sind nach Habls Angaben große
bayerische Traditionsgaststätten ebenso wie kleine
Gastronomiebetriebe, Kantinen, Metzgerei-Imbisse, Dönerbuden und
Asia-Läden. Wie viele Tonnen Fleisch der Großhändler geliefert
habe, werde derzeit geprüft. Der KVR-Sprecher konnte auch nicht
sagen, wie viel Fleisch bei den belieferten Betrieben noch entdeckt
wurde. Die auffälligen Proben würden analysiert. Dass es sich bei
den Lieferungen um Gammelfleisch gehandelt habe, habe vielleicht
ein Koch sehen können, sagte Habl. «Der Verbraucher kann das nach
der Verarbeitung nicht mehr sehen.»
Das bayerische Verbraucherschutzministerium leitete eine Liste mit den Kunden des Münchner Großhändlers an alle Bundesländer, den Bund und die EU-Behörden weiter. Bisher meldeten sich nur Abnehmer aus Sachsen-Anhalt bei der Polizei. Nach übermittelten Lieferangaben habe unter anderem eine Firma in Magdeburg im August zehn Kilogramm Entenfleisch sowie rund 466 Kilogramm Rinderoberschale und Schweinefleisch aus München bekommen. Der verdächtige Großhändler soll auch drei Tonnen des überlagerten Fleischs nach Niedersachsen und Baden-Württemberg und Thüringen geliefert haben. Mehrere hundert Kilogramm Fleisch wurden in Hessen beschlagnahmt. Nach den bisherigen Ermittlungen hatte der Münchner Betrieb auch Gastronomiebetriebe im europäischen Ausland beliefert. Berlin und Brandenburg sind bisher nicht betroffen.
Beim Kauf von Fleisch sollten Verbraucher trotz allem
besonders kritisch und vorsichtig sein. Denn der Verzehr von
verdorbenen Produkten kann eine ernste Lebensmittelinfektion mit
Folgen wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen zur Folge haben. Um
frische Ware zu erkennen, sollte man besonders auf Geruch, Färbung
und Oberfläche des Fleisches achten.
Grundsätzlich sollte Fleisch keinen unangenehmen Geruch
verströmen, schon gar nicht süßlich riechen, wie das Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erklärt. Fleisch
sollte einen eher neutral milden bis leicht säuerlichen Duft haben.
Wasser in der Verpackung oder in der Kühltheke deutet auf früheres
Auftauen hin. Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Fingerdruckprobe:
Fleisch darf sich nicht schwammig weich anfühlen oder zu stark
eindrücken lassen.
Die typische Fleischfarbe hängt von der Sorte ab. So erkennt man
frisches Rindfleisch etwa an einer dunkelroten Färbung, Lamm ist
hellrot bis rot mit leichter Fettmarmorierung. Schweinefleisch ist
im Idealfall rosa und hell glänzend. Wild wiederum sollte rötlich
bis dunkelbraun sein. In keinem Fall sollte die Farbe ins Gräuliche
abweichen. Deshalb raten die Experten zu Vorsicht bei blassem,
weichem und nässendem Fleisch. Auch daheim ist der richtige Umgang
mit rohem Fleisch wichtig: Die korrekte Lagerung erfolgt bei einer
Kühlschranktemperatur zwischen zwei und vier Grad.
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