Genial daneben - Die Comedy Arena

Der Moderator erzählt, was ihm an "Genial daneben" große Freude macht

Interview mit Hugo Egon Balder

Genial-daneben-Hugo-Egon-Balder-003
© SAT.1/Frank Hempel

Sie sind ein alter Hase im Geschäft – Sie haben komponiert, Sie schauspielern, produzieren, moderieren. Gibt es Präferenzen, was fordert Sie heraus?

Das ist so eine Sache. Da ich Vieles gemacht habe und es auch immer noch tue, ist es nicht ganz einfach, das einzuordnen. Es ging im Theater los – damals, am Schillertheater, durfte man nur schauspielern. Wenn man nebenbei was anderes gemacht hat, dann guckten die einen schon schief von der Seite an. Ich möchte immer etwas machen, was es vorher in der Form noch nicht gab – zumindest sollte es etwas sein, was in unseren momentanen, eingefahrenen Fernseh-Landschaften aus dem Rahmen fällt.

Seit Januar 2003 moderieren Sie nun wöchentlich „Genial daneben – Die Comedy Arena“. Was genau ist hieran anders?

Es ist wirklich alles frei improvisiert. Es gab noch nie im Deutschen Fernsehen eine Comedy-Show, wo wirklich nichts geschrieben stand. Es gab immer ein Buch – Sketche oder Pseudo-Improvisiertes – aber noch nie so etwas wie bei „Genial daneben“, wo keiner weiß, was kommt...

Nichts abgesprochen?

Nein, keiner der Leute aus dem Panel weiß, was kommt. Das ist aber auch der Grund, warum die Comedians hier gern mitmachen – sie müssen keinen Text lernen. Sie können fünf Minuten vorher da sein. Ich sage denen nicht, was passiert. Das ist das schöne an diesem "Konzept“.

Das Konzept ist, dass es eigentlich keines gibt...

Richtig. Das ist ein Format, das nicht schützbar ist. Fünf Comedians beantworten Fragen. Das kann im Prinzip jeder machen. Ich habe jahrelang immer wieder betont, so was funktioniert nur, wenn es kein geschriebenes Buch ist, wenn nichts vorher abgesprochen ist. Das hat mir kein Mensch geglaubt, weil alle der Meinung waren, man muss etwas lesen vorher, man muss wissen, was passiert, das können die Deutschen nicht, nur die Engländer usw. Und jetzt hat es glücklicherweise geklappt...

Sie haben mal gesagt, rückblickend hätten Sie mehr Mitbestimmung bei Ihren Sendungen fordern sollen.

Nicht nur bei den Sendungen, sondern überhaupt. Ich habe die Sachen einfach gemacht und dann den Mund gehalten. Ich bin nie irgendwo hingegangen und habe gesagt – das läuft doch klasse, ich verlange jetzt folgendes. Es geht nicht ums Geld, sondern grundsätzlich um Veränderungen. Das war vielleicht ein Fehler. Allerdings bin ich eher ein introvertierter als ein extrovertierter Mensch...

...was viele Menschen wahrscheinlich nicht unbedingt von Ihnen denken...

...ich bin schon der Meinung, dass Humoristen auch privat komisch sein können. Wenn man Otto oder Anke Engelke privat erlebt, bleibt kein Auge trocken. Wenn es aber um mich persönlich geht, bin ich eher zurückhaltend. Vielleicht war das der Fehler. Vielleicht wäre ich da mit einer größeren Klappe weitergekommen...

Man sagt Ihnen notorisches Gut-Drauf-Sein nach. Wie schafft man das?

Man wird auch älter, mir diesem Gut-Drauf-Sein hält es sich inzwischen auch in Grenzen. Vielleicht ist es in meiner Erziehung begründet. Meine Mutter war Jüdin und mit meinem Bruder im KZ – sie hat mir früh genug beigebracht, nicht wegen jeder Kleinigkeit Trübsal zu blasen. So hat sich das vielleicht im Laufe der Jahre entwickelt, so dass mich jetzt nichts mehr umhaut. Ich sage einfach bei vielen Sachen: Was soll man sich darüber aufregen, man kann es nur ertragen, wenn man darüber lacht, anders geht es nicht.

Genial-daneben-Hugo-Egon-Balder-002
© SAT.1/Frank Hempel

Worüber können Sie lachen?

Ich kann wirklich über alles Mögliche lachen. Ich bin von Haus aus ein sehr sarkastischer Mensch, man wirft mir manchmal vor, dass ich über die Grenzen hinaus schieße. Ich kann über den dümmsten Witz lachen, wenn er gut erzählt ist. Man kann Comedy nur machen, wenn man "einen an der Klatsche“ hat. 

Nach einigen Jahren Abstinenz sind Sie bei Neun Live mit dem „Tanzmarathon“ wieder vor der Kamera aufgetaucht. Hat’s Spaß gemacht?

Ja, das war eine große Erfahrung für mich. Ich wollte auch mal wieder vor die Kamera, das war schon etwas her. Das war mehr eine Doku als reine Unterhaltung – was da hinter den Kulissen an zwischenmenschlichen Nummern ablief, das war heftig.

Wie waren die Reaktionen darauf?

Es hat ja niemand gesehen, das war das Gute...

Sie gehörten Mitte der 80er zum KOM(M)ÖDCHEN-Ensemble in Düsseldorf – ebenso wie Harald Schmidt. Wie war’s?

Lustig. Ich war nur zwei Jahre da, Harald drei oder vier. Wir hatten viel Spaß – besonders hinter den Kulissen. Ich habe hier auch viel gelernt. KOM(M)ÖDCHEN war ein ganz großer Lernprozess damals. Was man als erstes beim Kabarett lernt: Wenn aus dem Publikum ein Zwischenruf kommt, der witzig ist, sollte man oben, wenn einem nichts Besseres einfällt, tunlichst den Mund halten. Es sei denn, es fällt einem was Besseres ein. Das kann man trainieren.

Gibt es einen Comedian, der Sie nachhaltig geprägt hat?

Klar, mehrere. Die Beschreibung Comedian gab’s da noch nicht. Als 12-Jähriger hat mich Werner Fink mit seinem Wortwitz, seiner Fähigkeit, Dinge zu sagen, ohne sie zu sagen, schon fasziniert. Dieter Hildebrand hat die Tradition des unausgesprochenen Wortes dann weitergeführt. Und natürlich Heinz Erhardt, der stand auch jahrelang vorher beim Kabarett auf der Bühne, was viele nicht wissen. Die haben alle eine lange Vergangenheit als "Stand Upper“, wie man heute sagen würde, hinter sich. Das merkt man einfach.

Wenn Sie noch mal ganz am Anfang Ihrer beruflichen Laufbahn stehen würden – was würden Sie anders machen?

Ich wäre fleißiger. Mir ist alles zugeflogen. Ich hatte immer Glück, Vieles war einfach Zufall, ich habe mich nie richtig gekümmert. Viele Dinge, die ich im Kopf hatte, sind immer noch dort – ich habe sie nie umgesetzt. Momentan fehlt mir auch die Zeit – aber mal schauen...

Jetzt downloaden!

Fan werden