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Die Musik der Kastelruther Spatzen hat noch immer diese beruhigende, aufbauende Wirkung, die sie schon seit den ersten Alben in den Achtzigern zu entfalten vermag. Und wenn wir mal ehrlich sind: Gab es eine passendere Zeit für diese Wirkung und für Zeilen wie „Aus Trümmern kann man Schlösser bauen, zu neuen Horizonten schauen“? Eben.

Eigentlich hätte die erfolgreichste Volksmusikgruppe im deutschsprachigen Raum mit ihren Fans Anfang Oktober das große Spatzenfest in Kastelruth feiern wollen, aber aus bekannten Gründen ist so eine Gaudi natürlich gerade nicht möglich. Also dachten sich Norbert Rier und seine Mannen, dass sie ihre Fans ja stattdessen mit einem brandneuen Album beschenken könnten. „Liebe für die Ewigkeit“ heißt es, erscheint am Tag des Spatzenfestes, zeigt die Spatzen in Bestform und kommt bei all dem auch noch als prall gefüllte Fanbox daher – inklusive „Spatzen Schürze“. Wer sagt denn, dass nur Rapper die Sache mit der Fanbox und den Gimmicks beherrschen?

Der Titelsong belegt wohl am besten, dass die Kastelruther Spatzen ihr Spiel noch immer beherrschen: wunderschöne Bläser, Norbert Riers warmer Leadgesang, spatzengleiche Chöre im Refrain und ein Text, der zwar die ewig währende Liebe besingt, aber zugleich eingesteht, dass das gar nicht  immer so leicht ist damit, in Zeiten, in denen „alle alles kriegen“. „Wir wollen alle zu den Sternen fliegen, versprechen uns, für immer uns zu lieben. Ein Leben Lang, das ist ein starkes Wort, und mancher Traum fliegt von uns zu weit fort“, singen die Spatzen – und verweigern sich jener Heuchelei, die im Schlager und der Volksmusik ja durchaus zu finden ist, wenn mal wieder ein verheirateter Tunichtgut die ewige Liebe besingt, während man im Goldenen Blatt schon dessen aktuelle Affäre im Interview lesen kann.

Auch das Älterwerden gehen die Herren aus Südtirol nicht wehmütig an, sondern mit einem gesunden Schalk im Nacken: In „60 ist das neue 30“ amüsieren sie sich weise und witzig, über ergrauten Herren, die krampfhaft noch einmal jung sein wollen – und dabei ein eher tragisches Bild abgeben. Wer die großen Balladen der Spatzen mag, wird sich an „Rosmarie“ das Herz wärmen können, ein Lied, das mit zartem Piaonospiel und warmen Akkordeonlinien eine ganz besondere Liebe in einem ganz besonderen Lied erzählt. Und wer sich dann doch noch aufs Spatzenfest träumen möchte, der kann sich zur Partynummer „Tolle Feste brauchen super Gäste“ schon mal für das nächste Jahr warmschunkeln.

Die Kastelruther Spatzen werden also auch mit ihrem neuen Werk weiterhin auf jenem sagenhaften Erfolgskurs wandeln, an dessen Wegesrand schon mehrere „Kronen der Volksmusik“, fünf „Goldene Stimmgabeln“ und sagenhafte 13 Echos in der südtiroler Abendsonne glänzen.

Das offizielle Video