Corona-Impfung: Ja oder nein? Deshalb sollten Sie sich jetzt impfen lassen

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In Deutschland klafft eine Impf-Lücke. Während die einen bereits geboostert sind, haben sich andere noch nicht gegen das Corona-Virus impfen lassen. Auffrischung versus Ablehnung. Dabei sind sich Expert:innen einig: Impfen ist der Weg aus der Pandemie. Unter den europäischen Ländern weisen Portugal, Malta, Spanien, Island, Frankreich, Dänemark, Irland und Belgien die höchsten Impfquoten auf – Deutschland blieb ein Platz in den Top Ten bislang verwehrt. Um jedoch SARS-CoV-2 bekämpfen zu können, braucht es einen Impf-Ruck.

Darum ist der Pikser so wichtig

Covid-19-Impfstoffe schützen nachweislich vor schweren Krankheitsverläufen. Ungeimpfte Personen haben hingegen ein weitaus größeres Risiko, schwer zu erkranken. 

Personen mit Auffrischungsimpfung sind hingegen auf deutschen Intensivstationen kaum vertreten. Laut Modellrechnungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) beträgt das Risiko für Geboosterte mit 60 Jahren oder älter, intensivmedzinisch behandelt werden zu müssen, aktuell nur 0,2 Prozent. Im Vergleich dazu ist das Risiko für einen gleichaltrigen Ungeimpften fünf Mal höher. 

Eine Covid-19-Erkrankung durch eine Impfung ist ausgeschlossen. 

Je mehr Menschen geimpft sind, umso mehr werden auch Menschen geschützt, die sich nicht impfen lassen können – etwa aus gesundheitlichen Gründen. 

5 Gründe, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen

Ob eine Covid-19-Erkrankung mild oder schwer verläuft, kann niemand vorhersagen. Daher ist es am besten, eine Infektion zu vermeiden und sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen.

Welche weiteren Gründe für eine Corona-Impfung sprechen, erklären wir hier. 

Hohe Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe

Derzeit stehen folgende Corona-Impfstoffe zur Verfügung: die mRNA-Impfstoffe von BioNtech/Pfizer und Moderna sowie die Vektor-Impfstoffe der Hersteller AstraZeneca und Johnson & Johnson. Außerdem hat am 20. Dezember 2021 die Europäische Kommission die finale Genehmigung für das proteinbasierte Vakzin von Novavax erteilt. Dieser ist seit Ende Februar 2022 in Deutschland verfügbar.

Die etablierten Impfstoffe bieten bei einer Infektion eine hohe Wirksamkeit gegen eine schwere Covid-19-Erkrankung. Der volle Impfschutz tritt 14 Tage nach der zweiten Impfung ein. Der Impfstoff Janssen (Johnson & Johnson), der nur einmal verabreicht werden muss, ruft eine geringere Antikörper-Reaktion gegenüber der aktuellen Corona-Varianten hervor. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher nach mindestens vier Wochen eine weitere Impfung mit einem mRNA-Impfstoff, um die Grundimmunisierung zu optimieren. 

Die Virus-Variante Omikron kann sich im Vergleich zur vorherigen Delta-Mutante besser gegen zwei Impfdosen durchsetzen. Damit der Impfschutz verstärkt werden kann, ist nach drei Monaten eine Auffrischung nötig, die sogenannte Booster-Impfung.

Ein 100-prozentiger Schutz ist wie auch bei anderen Impfungen nicht möglich. Wenn sich vollständig Geimpfte mit dem Corona-Virus infizieren und erkranken, spricht man von Impfdurchbrüchen. Allerdings entwickeln die Betroffenen meist nur milde Symptome. Schwere Verläufe und Todesfälle kommen bei ihnen selten vor – gefährdet sind vorwiegend diejenigen, die aufgrund ihres hohen Alters und/oder Vorerkrankungen ein geschwächtes Immunsystem haben.

Covid-19-Impfung: Kaum Nebenwirkungen & Risiken

Weil viele Falschmeldungen kursieren, sind einige Menschen verunsichert. Sie befürchten Impfkomplikationen oder Impfschäden, wenn sie den Arm hinhalten. Zur Einordnung: Das Risiko einer schweren Nebenwirkung nach einer Covid-19-Impfung liegt bei 0,02 Prozent. Für Deutschland erfasst das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) alle gemeldeten Nebenwirkungen. Aufgrund der kontinuierlichen Überwachung ist gewährleistet, dass auch sehr seltene Risiken registriert werden, die erst bei einer großen Anzahl durchgeführter Impfungen sichtbar werden – und dass bei Bedarf schnell reagiert werden kann. So kam es beispielsweise im März 2021 zu einer vorübergehenden Aussetzung der Impfungen mit AstraZeneca, nachdem Fälle von sehr seltenen Hirnvenen-Thrombosen aufgetreten waren.

Impfreaktionen sind nicht ungewöhnlich und klingen in der Regel innerhalb weniger Tage ab. Nach einer Covid-19-Impfung können sich – als Ausdruck der Auseinandersetzung des Körpers mit dem Impfstoff – Lokal- und Allgemeinreaktionen bemerkbar machen. Dazu zählen unter anderem Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Fieber. Aber: Wenn eine geimpfte Person keine Impfreaktion zeigt, bedeutet das nicht, dass ihr Immunsystem keinen Schutz aufgebaut hat.

Mit anderen Worten: Der Nutzen der Corona-Impfung überwiegt das Risiko. Schließlich ist es so, dass nicht nur ältere Menschen schwer an Covid-19 erkranken können, auch Jüngere haben mitunter mit lebensbedrohlichen Verläufen zu kämpfen. Hinzu kommen Langzeitfolgen wie Erschöpfungszustände, anhaltende Atemnot oder neurologische Schäden, die unter dem Begriff "Long Covid" zusammengefasst werden. Laut einer Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin leidet jede zehnte erkrankte Person an den Spätfolgen einer Corona-Infektion. Deshalb ist vorbeugen besser als nachsorgen.

Die Corona-Impfung schützt mich und andere

Kleiner Pikser, großes Verantwortungsbewusstsein: Die Covid-19-Impfung schützt nicht nur die eigene Gesundheit, sie schützt auch andere. Selbst wenn sich vollständig Geimpfte infizieren, ist die Virusausscheidung kürzer als bei ungeimpften Infizierten. Dennoch sollte man nicht die AHA+A+L-Formel vergessen: Abstand halten, Hygieneregeln beachten, im Alltag Maske tragen, die Corona-Warn-App benutzen, lüften. Und sich vorsichtshalber testen, bevor man auf eine Gruppe von Menschen trifft, zum Beispiel vor der Yoga-Stunde oder einer Familienfeier.

Nicht-Geimpfte wiederum fangen sich das Corona-Virus viel leichter ein und sind nach einer Infektion deutlich ansteckender als geimpfte Personen. Der Virologe Christian Drosten prophezeite bereits im Sommer 2021: "Das Virus wird unerkannterweise unter einer Decke des Immunschutzes sich weiterverbreiten. Und dann trifft es immer auch auf Leute, die nicht immunisiert sind durch eine Impfung, die voll empfänglich sind."

Jede einzelne Impfung hilft, die Pandemie zu überwinden. Denn je mehr Menschen geimpft sind, umso schlechter kann sich der Erreger ausbreiten. Und je weniger SARS-CoV-2-Infektionen es gibt, desto geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass neue gefährliche Mutationen des Virus entstehen. Abgesehen davon sorgt eine hohe Impfquote dafür, dass diejenigen geschützt werden, die sich nicht impfen lassen können. Menschen etwa, die bestimmte Vorerkrankungen haben oder allergisch auf Bestandteile der Impfstoffe reagieren.

Impfen gegen Corona entlastet das Gesundheitssystem

Die Intensivstationen sind seit Pandemie-Beginn immer wieder voll. Schwerstkranke Covid-19-Patienten mussten Ende 2021 mancherorts sogar in andere Bundesländer ausgeflogen werden. Ärztinnen und Ärzte und Krankenpfleger:innen geraten immer wieder an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Ohnehin gibt es weniger Klinikpersonal, weil die vorherigen Corona-Wellen so manche Kündigung nach sich zogen. Obwohl die dominierende Omikron-Variante im Verhältnis zu Delta zur milderen Krankheitsverläufen führt, bleibt die Lage in den Krankenhäusern angespannt. Auch deshalb, weil der Anteil der Ungeimpften bei den Ansteckungen und den Hospitalisierungen dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge um ein Vielfaches über dem der Geimpften liegt. 

Das hat gravierende Auswirkungen. Eine davon ist, dass das Klinikpersonal immer weniger Verständnis für Ungeimpfte hat, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. "Ich ärgere mich enorm darüber. Da nehmen Ungeimpfte anderen Kranken die Betten weg – obwohl sie diese Betten mit Impfung gar nicht brauchen würden. Das ist eine unglaublich unsolidarische Einstellung", so Isabella Heuser, Direktorin der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité. Deswegen kann es passieren, dass andere Patienten nicht die Pflege bekommen, die sie bräuchten. Obendrein müssen planbare Operationen verschoben und Einschränkungen selbst bei Krebstherapien gemacht werden – mit teils schweren Folgen für die Betroffenen.

Impfen gegen Corona entlastet das Gesundheitssystem. Jede:r, der oder die nicht erkrankt, keine Krankenhausbehandlung und keine Beatmung benötigt, trägt dazu bei, dass die Kliniken mehr und mehr zum Regelbetrieb übergehen können. Und nicht nur das: Je weniger Corona-Infektionen auftreten, umso besser gelingt den Gesundheitsämtern die Kontaktnachverfolgung. Und desto schneller können Infektionsketten unterbrochen werden.

Mehr Freiheit dank Corona-Schutzimpfung

Genesen, geimpft, genervt. Auf der einen Seite befinden sich die, die gegen das Corona-Virus geschützt sind, auf der anderen Seite tummeln sich Impfgegner:innen – und dazwischen tut sich ein Riss auf. Die Spaltung der Gesellschaft, eine ungeahnte Nebenwirkung von SARS-CoV-2. Während zu Beginn der Pandemie Hashtags wie #flattenthecurve, #staysafe oder #togetherwearestrong kursierten, wird nun die Solidarität von Unmut, Frust und Streit verdrängt, nicht nur auf Facebook und Twitter. Die Geimpften fürchten sich vor neuen Virus-Varianten, einer Überlastung der Intensivstationen und davor, dass die Pandemie niemals endet. Viele schieben den schwarzen Peter den Ungeimpften zu, die den Impfstoffen misstrauen oder in ihren Augen fadenscheinige Gründe dafür angeben, dem Piks zu entgehen.

Aus der Wissenschaft kommt die klare Ansage: Ohne eine Impfquote von mindestens 85 bis 90 Prozent werde sich die Corona-Pandemie auch 2022 nicht eindämmen lassen. Oder anders ausgedrückt: Corona-Impfungen führen aus dem Dilemma, bringen uns Normalität und Freiheit zurück. Und womöglich leben wir künftig anders, nachdem das Virus so vieles verändert hat: bewusster, achtsamer, kreativer, unbeschwerter, mutiger, grüner, nachhaltiger.

Was haben die Covid-19-Impfstoffe von BioNTech und Moderna gemeinsam?

Es handelt sich um mRNA-Impfstoffe, die eine Bauanleitung für das Spike-Protein des Corona-Virus enthalten – verpackt in Fettkügelchen. Nach der Impfung produzieren Körperzellen anhand der genetischen Information (mRNA = messenger-Ribonukleinsäure) das Protein. Daraufhin bildet das Immunsystem passende Antikörper, die vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützen.


Wie unterscheiden sich mRNA-Impfstoffe von den Vektor-Impfstoffen der Hersteller AstraZeneca und Johnson & Johnson?

Bei den Vektor-Impfstoffen werden modifizierte Adenoviren als Transportmittel benutzt, um die Bauanleitung für das Spike-Protein des Corona-Virus in die Zielzellen zu schleusen. Die Impfviren sind nicht vermehrungsfähig und für den Menschen harmlos.


Gibt es eine Covid-19-Impfpflicht für Kinder?

Nein. Seit August 2021 empfiehlt die STIKO jedoch die Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren. Ebenfalls rät die STIKO zur Impfung gegen Covid-19 bei Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren mit Vorerkrankungen aufgrund des erhöhten Risikos für einen schweren Erkrankungsverlauf. Zudem gibt es die Empfehlung zur Impfung von 5- bis 11-Jährigen, in deren Umfeld sich Kontaktpersonen mit hohem Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf befinden.

Darüber hinaus ist bei einem individuellen Wunsch zur Impfung durch die Kinder, die Eltern oder sonstiger Sorgeberechtigter, diese nach entsprechender ärztlicher Aufklärung auch ohne Vorerkrankungen möglich.


Wie hoch ist das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen nach der Covid-19-Schutzimpfung?

Das Risiko einer schwerwiegenden Nebenwirkung nach einer Covid-19-Schutzimpfung liegt bei 0,02 Prozent. Es betrifft also im Schnitt eine von 5.000 Personen.


Was sind die häufigsten Impfreaktionen bei einer Covid-19-Impfung?

Zu den häufigsten Impfreaktion zählen: Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Schüttelfrost. Seltener treten Fieber, Übelkeit oder Erbrechen auf.


Was ist eine Booster-Impfung?

Die Booster-Impfung ist eine Auffrischungsimpfung. Sie dient dazu, den Impfschutz langfristig aufrecht zu erhalten. 


Warum ist die Covid-19-Booster-Impfung so wichtig?

Die Wirkung der Corona-Impfung lässt mit der Zeit nach. Je länger sie zurückliegt, umso mehr gehen die Antikörper gegen den Erreger im Blut der geimpften Person zurück. Der Booster sorgt dafür, dass man wieder optimal geschützt ist und andere nicht ansteckt.


Wann sollte man sich boostern lassen?

Die STIKO empfiehlt eine Auffrischungsimpfung ab drei Monaten nach Vollendung der Grundimmunisierung. 


Wer bekommt die Booster-Impfung?

Die STIKO empfiehlt die Auffrischung offiziell allen Personen ab zwölf Jahren, die ihre zweite Impfung vor mindestens drei Monate erhalten haben. 


Wie schnell wirkt die Booster-Impfung?

Bei einer Booster-Impfung wird nach sieben bis zwölf Tagen ein vergleichbarer Schutz wie nach der Grundimmunisierung erreicht.


Welcher Impfstoff wird für die Covid-19-Auffrischimpfung empfohlen?

Für die Auffrischung soll ein mRNA-Impfstoff (BioNTech, Moderna) verwendet werden – unabhängig davon, mit welchem Impfstoff die Erst- und Zweitimpfung erfolgte. Beide mRNA-Impfstoffe sind vergleichbar wirksam und sicher. Unter 30-Jährige sollen mit BioNTech geimpft und geboostert werden.


Wird die Booster-Impfung Pflicht?

Bisher erfolgte die Booster-Impfung auf freiwilliger Basis, künftig könnte sie Pflicht werden. Seit dem 1. Februar 2022 ist das EU-Impfzertifikat ohne Auffrischung nur noch neun Monate gültig. 


Für wen gilt die zweite Booster-Empfehlung?

Bestimmten Personengruppen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit Anfang Februar 2022 eine zweite Auffrischungsimpfung. Die Empfehlung gilt für Risikogruppen mit geschwächtem Immunsystem, ältere Menschen ab 70 Jahren und Personen, die im medizinischen Bereich arbeiten. Die vierte Impfung sollte frühestens nach drei bis sechs Monaten erfolgen.