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Der vorhergesagten Regen dürfte die große Trockenheit in weiten Teilen Deutschlands kaum lindern. Zum Beginn der Vegetationsperiode sind die Böden laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in vielen Regionen deutlich trockener als im vieljährigen Durchschnitt. Besonders betroffen sind die östlichen Bundesländer. Erste Waldbrände haben in den vergangenen Tagen schon zahlreiche Gegenden in Deutschland heimgesucht. Die Gefahr bleibt weiter hoch. Der Deutsche Feuerwehrverband fordert daher mehr Löschhubschrauber.

Die Niederschläge der nächsten Tage seien "mancherorts wieder nur der sogenannte Tropfen auf dem heißen Stein", sagte Markus Übel vom DWD. Am meisten Regen falle im Westen und Südwesten. Aber auch im Osten regne es etwas - nur leider nicht genug. Die Natur und die Landwirtschaft benötigten dringend Regen.

Hubschrauber gefordert

Die Bundesregierung versprach Hilfe für Länder und Kommunen bei der Brandbekämpfung, wenn diese nötig sei. "Es ist so, dass der Katastrophenschutz (...) Angelegenheit der Länder ist und der Brandschutz Angelegenheit der Kommunen. Der Bund hat eine ganz schmale Zuständigkeit nur für den Zivilschutz", sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Mittwoch in Berlin. Allerdings helfe der Bund Ländern und Kommunen mit Ausrüstung. Der Bundestag habe 100 Millionen Euro für weitere Aufstockungen bei Brand- und Katastrophenschutz im Zeitraum von 2019 bis 2022 bewilligt.

Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands, Hartmut Ziebs, sagte am Mittwoch, jedes Flächenbundesland müsse im Schnitt einen Löschhubschrauber zur Verfügung haben, "um in der diesjährigen Waldbrandsaison adäquat auf Vegetationsbrände reagieren zu können". Die Feuerwehren forderten Hubschrauber bei Bundeswehr oder Bundespolizei an, die dann für diesen Einsatz bereitgestellt würden, erläuterte Ziebs in der Mitteilung. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch) hatte Ziebs gesagt: "Das ist ein vielfach praktiziertes Verfahren, scheitert aber manchmal an der Zahl der verfügbaren Hubschrauber."

Helikopter verhindert Moorbrand-Ausweitung

Nach Angaben eines Sprechers des Verteidigungsministeriums hilft die Bundeswehr nur dann aus, "wenn die zuständigen Hilfskräfte eben nicht mehr in der Lage sind, den Brand zu löschen, beziehungsweise nicht mehr in der Lage sind, genug Material und Personal an den Punkt zu bekommen, wo sie es brauchen", erläuterte er. Dabei würden Hubschrauber genutzt, die zwar nicht spezielle Löschhubschrauber seien, aber Wassertanks transportieren könnten.

So hat der Einsatz eines Bundeswehr-Helikopters eine weitere Ausbreitung des Moorbrandes im niedersächsischen Goldenstedt verhindert. "Für Entwarnung ist es aber viel zu früh", sagte Landkreissprecher Jochen Steinkamp am Mittwoch. Nach seinen Angaben nahm die Maschine seit dem Vormittag pro Flug bis zu 5000 Liter Wasser aus dem nahe gelegenen Hartenbergsee auf und warf sie über dem Brandgebiet ab. Der See war dafür von der Polizei gesperrt worden. Der Brand war am Ostermontag ausgebrochen.

Bürger sollen helfen

Im Kampf gegen einen Großbrand am Bleiloch-Stausee in Südostthüringen wurden Höhenretter zur Bekämpfung möglicher Glutnester an steilen Felswänden eingesetzt. Wie der Kreisbranddirektor im Saale-Orla-Kreis, Uwe Tiersch, am Mittwoch sagte, sollte ein Bundeswehrhubschrauber helfen, das Feuer endgültig zu löschen. Am Montag galt der Brand als gelöscht, wurde aber vom Wind neu entfacht.

In Berlin sind Bürger jetzt aufgerufen, beim Gießen von Straßenbäumen und jungem Grün mitzuhelfen. Das Grünflächenamt allein schaffe das mit seinem Personal nicht, sagte der Baustadtrat des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt. "Besonders viel Wasser brauchen die neu gepflanzten Bäume und andere Pflanzen am Straßenrand."

Weiterer Dürresommer?

Das trockene Frühlingswetter kann auch zu erhöhter Waldbrandgefahr führen, sagte Klaus-Peter Wittich vom Deutschen Wetterdienst. Voraussetzung dafür sei eine niedrige Luftfeuchte, die in Zusammenhang mit ausbleibendem Niederschlag und erhöhter Verdunstung - hervorgerufen durch Sonnenschein und hohe Temperaturen - zu einer niedrigen Feuchtigkeit der Bodenauflage führt. Laub und Nadeln können sich dann leichter entzünden.

Bei andauernder Trockenheit könnte Deutschland nach Einschätzung des DWD auf einen weiteren Dürresommer zusteuern. "Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden", sagte der Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, Udo Busch, in Offenbach.

Bauern sind besorgt

Selbst wenn es noch viel regnen sollte, bleibt die Bodenfeuchte den Schätzungen zufolge bis in den Sommer hinein unter dem vieljährigen Mittelwert. "Die Startbedingungen für die Vegetation sind 2019 in vielen Gebieten Deutschlands deutlich schlechter als im Vorjahr", sagte Busch. Die Bauern in Brandenburg machen sich Sorgen um die diesjährige Ernte. "Wir hoffen sehnlichst auf Regen, der entscheidende Monat ist für uns der Mai", sagte der Sprecher des Landesbauernverbandes, Tino Erstling. Wenn es weiter so trocken bleibe, werde das Getreide kaum Ähren ausbilden.

Ein Dürresommer würde diesmal nicht nur die Landwirtschaft erneut hart treffen, sondern auch die Forstwirtschaft, schätzt der DWD. Aus Sicht eines Waldexperten muss der "Wald der Zukunft" vielfältig sein, um möglichen Waldbränden Paroli bieten zu können. Strukturreiche Laubwälder mit verschiedenen Baumarten brennen nicht so schnell und trocknen nicht so stark aus wie reine Nadelwälder, wie der Naturwissenschaftler Pierre Ibisch von der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung sagte. "Die großflächigen Monokulturen werden mittelfristig scheitern."