- Bildquelle: (c) PA Wire © (c) PA Wire

Im reifen Tennis-Alter von 37 Jahren haben Roger Federer und Serena Williams einen weiteren Wimbledon-Coup und den nächsten schillernden Moment ihrer famosen Karrieren verpasst. Einen Tag nach der Endspiel-Ernüchterung für die US-Amerikanerin bei der Titel-Premiere von Simona Halep in London musste sich Federer in einem packenden Final-Krimi geschlagen geben. Der achtmalige Wimbledonsieger unterlag am Sonntag im finalen Schlussakt des zweiwöchigen Grand-Slam-Turniers dem serbischen Vorjahressieger Novak Djokovic 6:7 (5:7), 6:1, 6:7 (4:7), 6:4, 12:13 (3:7).

Im längsten Finale der Wimbledon-Geschichte jubelte schließlich Djokovic nach 4:57 Stunden über seinen fünften Wimbledon-Triumph. Zuvor hatten sich 2008 Rafael Nadal und Federer mit 4:48 Stunden das bis dato längste Endspiel geliefert, auch damals verlor Federer.

Seine fünfte Krönung

Der Weltranglisten-Erste Djokovic krönte sich zum fünften Mal nach 2011, 2014, 2015 und 2018 zum Champion auf der bedeutendsten Tennis-Bühne der Welt. Rekord-Grand-Slam-Sieger Federer blieb es verwehrt, zum neunten Mal auf dem heiligen Rasen zu triumphieren und zu Martina Navratoliva aufschließen.

Bei den Damen hatte Williams anerkennen müssen, dass Halep am Samstag "wie von Sinnen" spielte. Kompromisslos deklassierte die zehn Jahre jüngere Rumänin die US-Amerikanerin beim 6:2, 6:2 in weniger als einer Stunde und kürte sich zur ersten rumänischen Wimbledonsiegerin.

Williams verpasst Rekord

Williams' Hoffnung auf den 24. Grand-Slam-Titel war wieder dahin, noch immer trennt sie bei den vier wichtigsten Tennis-Turnieren ein Erfolg von der Rekordhalterin Margaret Court aus Australien. Dreimal nacheinander verlor sie nun ein Grand-Slam-Endspiel. "Ich muss irgendwie wieder einen Weg finden, ein Finale zu gewinnen", sagte Williams. "Ich fühle mich noch unglaublich wettbewerbsfähig. Sonst wäre ich nicht mehr da."

Auch dank seines phänomenalen Aufschlags wirkte der frühere Branchenprimus Federer in dem Traum-Finale gegen den Topgesetzten lange als der bessere Spieler und hatte durchaus Chancen, sich zum ältesten Grand-Slam-Sieger der Geschichte zu krönen. Doch in den beiden Tiebreaks erlaubte sich der 37-Jährige im Duell zweier seit Jahren dominierenden Protagonisten Schwächen.

Nimmermüder Federer

Der Weltranglisten-Erste Djokovic verwandelte in dem Final-Drama seinen ersten Matchball und beendete damit die Ambitionen von Federer auf den neunten Wimbledon-Titel. Nur die US-Amerikanerin Martina Navratilova hat dieses Grand-Slam-Turnier in London bislang neunmal für sich entschieden. Djokovic rückte jetzt mit seinem insgesamt 16. Titel bei einem der vier größten Tennis-Turniere bis auf zwei Trophäen an Rafael Nadal und auf vier an Federer heran. Doch die Tennis-Welt staunt nach diesem finalen Schlussakt des zweiwöchigen Rasenspektakels auch wieder über den nimmermüden Federer.

Einen Tag nach dem unerwartet klaren Premieren-Erfolg von Halep dauerte allein der erste Satz zwei Minuten länger als die Niederlage von Williams. Die Mehrheit der 15 000 Zuschauer litt mit Federer, als ihm im Tiebreak mehrere Schläge nicht wie gewünscht gelangen.

Royale Zuschauer

An einem bedeckten und kühleren Wimbledon-Tage klatschten auch Prinz William und Herzogin Kate in der ersten Reihe der königlichen Loge, wenn Federer mit Eleganz und Leichtigkeit seinen Kontrahenten in die Defensive trieb. Mit gleich drei Breaks im zweiten Satz demoralisierte der Basler den Topgesetzten und setzte ein klares Zeichen. "Federer spielt großartig", wiederholte Becker.

Souverän hielt der Maestro weiter seine Aufschlagspiele - und das gegen den Branchenprimus, der für seine hervorragenden Returns bekannt ist. Beim Titelverteidiger waren schon erste Anzeichen für Frust erkennbar. Im dritten Satz wehrte Djokovic dann einen Satzball des 102-maligen Turniersiegers ab - womöglich ein Schlüsselmoment der Partie. Denn wieder kam es zum Tiebreak, wieder machte Federer ausgerechnet dann unerzwungene Fehler. Erst beim 5:2 im vierten Satz gab der Schweizer erstmals seinen Aufschlag ab, rettete sich aber in den fünften Durchgang.

Im Halbfinale hatte sich Federer mit einer Tennis-Gala gegen seinen spanischen Dauerrivalen Nadal durchgesetzt. Im Endspiel hatte wie 2014 und 2015 an gleicher Stelle Djokovic das bessere Ende für sich.