Entwurzelte Bäume, mitgerissene Autos, versunkene oder gar in der Schlammbrühe treibende Häuser – kaum etwas kann seine Kraft so verheerend entfalten wie Wasser. Steigt der Wasserpegel immer weiter an, können selbst einst kleine romantische Bächlein eine zerstörerische Gewalt entwickeln und alles mitreißen, was sich ihnen in den Weg stellt.

Hochwasser gab es schon immer, auch bevor der Mensch in die Natur eingriff. Doch trägt der Mensch im enormen Maße dazu bei, dass die Hochwasserkatastrophen sich häufen und dabei immer schlimmere Ausmaße annimmen. Doch beginnen wie von vorne: warum entsteht eigentlich Hochwasser?

Fünf Gründe, warum Flüsse Hochwasser führen

1. Unwetter

Der erste Grund ist ganz einfach zu viel Regen. Wenn der Starkregen sich über ein bestimmtes Gebiet zulange austobt, sammelt sich im Fluss zu viel Wasser, da die Wassermengen aus dem Umland ebenfalls ins Flussbett gelangen. Im Frühjahr kommt dann oftmals noch die Schneeschmelze dazu. Dadurch führen die Flüsse ohnehin schon weit mehr Wasser als üblich. Kommt dann noch eine Menge Regen hinzu, ist der kritische Punkt schnell überschritten.    

2. Schneeschmelze

Apropos Schneeschmelze. Diese nimmt durch den Klimawandel mit den Jahren immer mehr zu, weil durch die Erderwärmung die Schneefallgrenze kontinuierlich nach oben ging. Wenn es also früher in den Bergen schneite, blieb über den Sommer hinweg viel mehr Schnee in den Bergen liegen, weil es dort eben noch kühler war. Doch seit den letzten Jahrzehnten schmelzen nicht nur die Gletscher in den Bergen weg, auch der jährlich neue Schnee verrinnt im Frühling oder Frühsommer in größeren Mengen und gelangt über kleine und größere Bäche schließlich in die großen Flüsse.

3. Begradigung der Flüsse

Starke Regenfälle und Schneeschmelze gab es natürlich schon früher und auch damals stiegen Wasserpegel an. Nur war es in der Vergangenheit weniger kritisch, weil die Flussläufe länger und verschnörkelter waren. Um den Fluss herum gab es oftmals noch Nebenflüsse als Ausgleichsbecken. Und schwappte dennoch mal etwas über, war meist erst mal nur Wildnis betroffen, da die Menschen früher nicht so dicht an die Ufer bauten.  

Dann begann der Mensch, die Flüsse zu begradigen, um sie entweder als Verkehrswege auszubauen oder um eine eventuelle Wasserversorgung effektiver zu machen, zum Beispiel für die Landwirtschaft. Begradigen bedeutet aber auch, dass ein Fluss kürzer und teils von seinen Nebenflüssen abgekapselt wird. Der Rhein zum Beispiel wurde in den letzten 250 Jahren so für die Schifffahrt optimiert, dass sein Flusslauf zwischen Basel und Karlsruhe heute 75 Kilometer kürzer ist als vorher. Eine gewaltige Strecke, die dem Wasser bei einem Pegelanstieg plötzlich fehlt. 

4. Versiegelung der Bodenfläche

Unsere Städte wachsen jährlich, es schießen Gebäude jeglicher Art aus dem Boden, dafür wiederum braucht es Infrastruktur wie Straßen und große Parkplätze. Wiesen und Wälder weichen also Beton und Asphalt. Das nennt man dann Versiegelung der Bodenfläche. Wo früher die Natur den Regen wie ein Schwamm in sich aufsaugte, prallt der Regen nun am Asphalt ab, sucht sich den Weg in die Kanalisation und landet schließlich am nächstgelegenen Fluss. Der Fluss nimmt das Regenwasser aus der Stadt auf und seine Wassermassen wachsen noch weiter an.

5. Kranke oder gerodete Wälder

Wie SAT.1 bereits im Frühjahr 2021 in seiner Waldrekordwoche kund tat, sind Bäume wahre Wundermittel gegen den Klimawandel. Über ihre Blätter und Nadeln nehmen sie Regenwasser auf und speichern es. Gesunder Waldboden wirkt außerdem wie ein Superschwamm und nimmt seinerseits jede Menge Regenwasser auf. Ist aber kein Wald da oder er kränkelt aufgrund von Umweltschäden, fehlt dieser natürliche Wasserspeicher und der Regen landet früher oder später abermals im Fluss.  

Kann sich der Mensch vor Hochwasser schützen?

Ein hundertprozentiger Schutz gegen Hochwasser ist kaum zu erreichen. Dennoch kann der Mensch sehr viel dafür tun, dass zumindest nicht jedes Hochwasser gleich zu einer  apokalyptischen Bedrohung heranwächst.

Zum einen muss man den Flüssen im Fall einer drohenden Überschwemmung irgendwo den Platz geben, um sich in freier Wildbahn kontrolliert ausbreiten zu können, um das Hochwasser von den Städten fernzuhalten. Solche Flächen müssen natürlich im Vorfeld entsprechend präpariert werden. Außerdem muss man die Flüsse wieder aus den angelegten Betonbecken zurückholen und ihnen einen natürlicheren Verlauf geben.

Mehr Bäume und Wälder sind nicht nur als Schutz gegen den Klimawandel eine gute Idee, sondern auch im Kampf gegen künftige Hochwasser, da sie als Wasserspeicher dienen. Und in den Städten muss die Versiegelung an Stellen aufgebrochen werden, wo es nur irgendwie geht, um dort wieder natürliche Rasenflächen oder Bäume entstehen zu lassen.