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Weltweit sind viele Forscher damit beschäftigt, das Corona-Virus und die Lungenkrankheit zu entschlüsseln, die es auslösen kann. Eine Folge wird derzeit mit Sorge betrachtet: Die Möglichkeit, dass der Erreger auch das Gehirn schaden und zum Beispiel Schlaganfälle oder Psychosen auslösen kann. 

Studie in Großbritannien

Auf der Seite "The Lancet" veröffentlichte ein Forscherteam eine Studie zu der These, dass sich Sars-CoV-2 auch auf das Gehirn auswirken könnte. Dafür wurde in der exponentiellen Phase der Epidemie in Großbritannien ein Online-Netzwerk geschaffen, mit dem neurowissenschaftliche Einrichtungen Fälle melden konnten, bei denen Corona-Patienten auch mit Gehirnschäden zu kämpfen hatten.

Corona kann Blutgerinnsel auslösen

Der Grund hinter dem ist die Tatsache, dass Corona Blutgerinnsel im Körper auslösen kann – also vermutlich auch im Gehirn - und diese könnten wiederum zu Schlaganfällen führen. Auch psychische Phänomene wie Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens, der Wahrnehmung oder des Bewusstseins wurden registriert.

Ebenfalls berücksichtigt wurden geografische oder demografische Informationen. Auch Daten zum Auftreten von Corona-Fällen in Großbritannien wurden untersucht.

Über hundert auffällige Fälle

Seit April konnten die Einrichtungen bestimmte Krankheitsfälle melden – 153 Patienten zeigten eine neurologische Auffälligkeit. Ihr Alter reichte von 23 bis 94, im Durchschnitt waren die Kranken 71 Jahre alt.

Bei 125 Patienten lagen komplette Datensätze vor, von diesen erlitten 77 einen Schlaganfall. Bei 39 Fällen wurde eine Veränderung im Gehirn festgestellt, bei 23 wurde eine psychische Erkrankung wie Psychosen oder Gemütszustandsstörungen diagnostiziert.

Die erste Studie ihrer Art

Das Forscherteam betont, dass es sich hierbei um die erste nationale und übergreifende Studie in Großbritannien handeln würde, die untersucht, welche akut neurologischen und mentalen Auswirkungen COVID-19 haben kann.

Mehr Forschungsarbeit muss geleistet werden

Da es sich jedoch um eine kleine Studie handelt, die sich auf Beobachtungen von Ärzten stützt, muss erst noch viel Forschungsarbeit geleistet werden, um ein klares Bild von möglichen Komplikationen zu verdeutlichen, schreibt "The Guardian". Dennoch seien Experten der Meinung, dass diese Erkenntnisse weiter erforscht werden sollten, um auch Behandlungsmöglichkeiten zu erschließen.

Es gibt jedoch einen weiteren Haken: Obwohl die neurologischen Erkrankungen bei den genannten Fällen im Rahmen der Corona-Behandlung neu diagnostiziert wurden, können die Forscher nicht ausschließen, dass sie auch vor der Ansteckung mit dem Corona-Erreger nicht schon bestanden hätten.

Mehr als nur eine Lungenkrankheit

Die Studie und ihre Erkenntnisse sind dennoch wichtig für die Forschung und die Medizin. Denn es gibt Berichte davon, dass sich Corona in schweren Verläufen auch auf das Gehirn auswirken und neurologische oder psychiatrische Folgen haben könnte, wie Michael Sharpe, Professor der Psychologischen Medizin an der University of Oxford, gegenüber "The Guardian" erklärt.

"Es erinnert uns daran, dass COVID-19 mehr ist als nur eine Atemwegserkrankung und dass wir in Betracht ziehen müssen, dass sie auch eine Verbindung zu weiteren Krankheiten haben kann." Weiterführende Forschungen müssten zeigen, ob die Erkrankungen auf Corona zurückzuführen seien oder lediglich gleichzeitig mit dem Virus auftreten.

Personen, die nicht zu den Risikogruppen zählen, müssten sich aber nicht zu große Sorgen machen. Der Grund: Die neurologischen Krankheiten, die im Verdacht stehen, durch Corona ausgelöst zu werden, kommen nur sehr selten vor.

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