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Frühstücksfernsehen

Ex-Berater Cummings legt nach: Johnson soll Party-Warnungen ignoriert haben

18.01.2022 • 08:13

Premier Boris Johnsons früherer Berater Dominic Cummings wirft dem Regierungschef vor, im Skandal um Lockdown-Partys gelogen zu haben.

Premier bestand trotz Regelbruchs auf Garten-Party

Von mehreren Seiten sei dem parlamentarischen Sekretär, Alex Burghart, dazu geraten worden, die Lockdown-Party im Garten von 10 Downing Street, dem Amtssitz des Premiers, abzusagen. Boris Johnson habe sich aber über diese Einwände hinweggesetzt und darauf bestanden, die Party trotz aller Bedenken stattfinden zu lassen.

Erst in der vergangenen Woche hatte Boris Johnson vor dem Parlament zugegeben, an dem Event im Garten seines Amts- und Wohnsitzes teilgenommen zu haben. Er behauptete aber, dass er die Zusammenkunft der rund 50 Mitarbeiter für ein reines Arbeitstreffen gehalten habe. Obwohl sein eigener Sekretär kurz zuvor eine E-Mail in den parteiinternen Verteiler geschickt hatte mit der Bitte, jeder möge seinen eigenen Alkohol mitbringen.

E-Mail mit Alkohol-Hinweis will Boris Johnson nicht bekommen haben

Nun weiß man natürlich nicht, ob es in 10 Downing Street gelegentlich üblich ist, sich vor Team-Meetings mit Alkohol einzudecken. Es könnte aber grundsätzlich ein guter Hinweis darauf sein, dass es sich bei der Veranstaltung eher um ein "After-Work-Event" als um ein klassisches Arbeitstreffen handelte. Besagte E-Mail will Boris Johnson aber nie gelesen haben. Das beteuerte der Premierminister vorm Parlament – und unter anderem wegen dieser Behauptung bezichtigt ihn sein ehemaliger Chefberater nun der Lüge.

Dominic Cummings, der im November 2020 überraschend sein Amt als Chefberater niederlegte, steht mit seinen Vorwürfen übrigens nicht alleine da. "Es gibt viele Fotos von Partys nach meinem Ausscheiden, die noch erscheinen werden", schreibt der 50-Jährige weiter auf seinem Social-Media-Account. Er und andere Augenzeugen seien bereit unter Eid gegen den Premierminister auszusagen.

Keine Entschuldigung vorm britischen Parlament

Bitter stieß es Dominic Cummings auch auf, dass sich Boris Johnson bisher nicht offiziell für den Regelbruch entschuldigt hat. Er entschuldigte sich lediglich für den falschen Eindruck, der durch die Party entstanden sein könnte. Schließlich müsse man nun denken, die Menschen, die die Lockdown-Regeln festlegten, hielten sich selbst nicht daran.

Wegen "interner Untersuchungen", so ein Regierungssprecher, könne man sich zurzeit zu den Vorwürfen leider nicht weiter äußern. Viele halten das für eine reine Verzögerungstaktik und den Versuch, sich eine geschickte Strategie zu überlegen, wie man Boris Johnsons Kopf wieder aus der Schlinge befreien könnte.

Tory-Abgeordnete wenden sich von Premierminister ab

Denn während das Bild des einst so populären Anti-Politikers bröckelt, gewinnt die oppositionelle Labour-Partei an Stimmen hinzu. Und auch aus den eigenen Tory-Reihen wenden sich einige von Boris Johnson ab, die noch vor kurzem hinter dem unkonventionellen Politiker standen.

So schreibt der Tory-Abgeordnete Tom Loughton auf seiner Facebook-Seite, es gehe ihm nicht darum, wie viele Wurstbrötchen oder Prosecco der Premier konsumiert habe, sondern wie er mit den Enthüllungen umgegangen sei. Wörtlich schreibt Loughton: "Verschleierung, Tatsachenverdrehung und Ausflüchte waren an der Tagesordnung, als Klarheit, Ehrlichkeit und Reue das waren, was nötig war und was das britische Volk verdient."

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