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Mehr als Gedächtnistraining

Mentale Gesundheit im Alter - so hältst du dich mental fit!

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© Jade Maas/peopleimages.com - stock.adobe.com

Immer wieder tauchen Meldungen über beeindruckende Gedächtnisleistungen in den Medien auf. Begriffe wie Gehirnjogging oder "mental workouts" klingen interessant und beziehen sich oft auf strukturierte Trainingsprogramme, die darauf abzielen, die Gedächtnisleistung zu verbessern. Diese Konzepte sprechen das Bedürfnis einer Zeit an, in der aufgrund der enormen Fortschritte in der Medizin die Lebenserwartung steigt. Menschen möchten auch im hohen Alter aktiv am modernen Leben teilhaben und ihre mentale Gesundheit bewahren. Doch was genau bedeutet mentale Gesundheit im Alter und welche Fähigkeiten umfasst sie? 

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Im Video: Deshalb sind Quizze gut für dein Gehirn

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Mentale Gesundheit im Alter: Vielseitige Fähigkeiten sind gefragt

Das Auswendiglernen und Wiedergeben von scheinbar endlosen Reihen von Wörtern oder Zahlen ist nur ein Beispiel von vielen geistigen Übungen, die von der eigentlichen essentiellen Grundlage der mentalen Gesundheit ablenken. Diese Übungen legen den Fokus eher auf das Einüben vorgefertigter Muster, anstatt den ganzheitlichen Kern der mentalen Gesundheit zu fördern.

Computergestützte Lernprogramme haben sich als beliebte Instrumente auf dem Gehirnjogging-Gebiet etabliert und werden von der Gesellschaft breit akzeptiert. Dennoch wird oft übersehen, dass das schnelle Auswendiglernen von Zahlenreihen lediglich einen Teilaspekt der geistigen Fitness anspricht und nur eine spezifische Region des Gehirns beansprucht.

Menschen, die auch im fortgeschrittenen Lebensalter geistig fit und gesund bleiben wollen, ist geraten sich regelmäßig und bewusst mit ungewohnten Herausforderungen auseinanderzusetzen, die ein Kreuzworträtsel hinausgehen.

Einige Neurowissenschaftler:innen vertreten die Ansicht, dass ein ganzheitlicher Ansatz im Mittelpunkt stehen sollte, der nicht nur für ältere Menschen von Interesse ist. Wenn es darum geht, die geistigen Fähigkeiten zu trainieren und die Gesundheit des Gehirns zu erhalten, sollten neben der allgemeinen Merkfähigkeit auch andere Aspekte berücksichtigt werden. Dazu gehören zum Beispiel: 

  • Orientierungssinn
  • Kombinationsvermögen
  • generelle Lernfähigkeit
  • Entwicklung und Pflege sozialer Kompetenzen
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  • 10.03.2023
  • 12:48 Uhr
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Multi-Tasking und das Aufbrechen der Routine

Der Schlüssel zu mentaler Gesundheit und Fitness liegt in einer Stärkung visueller Aufnahmefähigkeit und Auffassungsgabe. So jedenfalls lautet das Fazit der Alterswissenschaftlerin Jerri Edwards von der University of South Florida in Tampa, die sich in über 50 Studien mit dem Thema psychische Gesundheit und Fitness auseinandersetzte.

Um degenerativen Prozessen bis hin zur Entstehung von Depressionen und Demenz vorzubeugen, sei eine spezielle Form des Gehirnjoggings, das sogenannte "Speed of Processing"-Training von entscheidender Bedeutung.

In einem bestimmten Forschungsszenario musste dabei eine Probanden-Gruppe ein bestimmtes Objekts aus einem Suchbild identifizieren. Ziel sollte sein, ähnlich wie beim bekannten Memory-Spiel, den Identifikationsprozess durch Trainingswiederholungen zu beschleunigen und zu optimieren.

Gleichzeitig jedoch wurden die Betroffenen - eher untypisch für viele Gehirnjogging-Programme - parallel vor eine zweite Aufgabe gestellt: Sie sollten in einem zweiten Sichtfenster zeitgleich darin auftauchende Gegenstände umfassend wahrnehmen und ihre Eigenschaften anschließend möglichst vollständig wiedergeben.

Der Effekt: Durch die Doppelbelastung konnte nachweislich die visuelle Aufmerksamkeit und Auffassungsgabe der Gruppe mit der Zeit nachhaltig gestärkt und beschleunigt werden. Die Forscherin fand heraus, dass durch regelmäßige Mehrfachbeanspruchung mit zwei parallel geöffneten Sichtfenstern die Fähigkeit der Testpersonen auf Dauer zunahm, den gesuchten Gegenstand immer schneller im Suchbild wahrzunehmen - auch dann, wenn sich die verschiedenen Objekte in den beiden Suchfenstern stärker ähnelten.

Im Vergleich mit einer Gruppe, die jeweils nur mit einer Übung regelmäßig konfrontiert war, schnitt die parallel trainierte Gruppe in anschließenden Reaktionstests im Straßenverkehr wesentlich besser ab und zeigte ein schnelleres Reaktionsvermögen und erhöhte Aufmerksamkeit.

Ihr Fazit: Solche Parallelbelastungen tragen dazu bei, mentale Fitness maßgeblich zu steigern. Das macht sich in Form gesteigerter Auffassungsgabe und Reaktionsschnelligkeit bemerkbar.

Nach über 50 Langzeitstudien sah sich die Forscherin nahezu folgerichtig in ihren Ergebnissen bestätigt, da weit weniger Personen in der trainierten Probandengruppe in einem langjährigen Untersuchungszeitraum ihren Führerschein abgeben mussten. Zudem litten sie deutlich seltener unter Depressionen.

Auf die Mischung kommt es an

Noch einen Schritt weiter geht der Demenz-Experte Dr. Martin Haupt, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und Gerontopsychotherapie. Er widersetzt sich kommerziellen Gehirnjogging-Programmen und -Apps und plädiert für Routine-Vermeidungsstrategien. Diese bestehen aus ständig wechselnden Gedächtnisübungen in Kombination mit körperlicher Bewegung.

Seiner Einschätzung nach können nur solche Ratgeber und Programme etwas zum wirksamen Schutz vor altersbedingten Abbauprozessen beitragen, die verschiedenste Aspekte miteinbeziehen, wie:

  • gesunde und ausgewogene Ernährung,
  • körperliche Fitness,
  • ausreichend Schlaf
  • sowie eine zufriedene, positive Lebenseinstellung.

Um altersbedingten Erinnerungsproblemen aktiv entgegen wirken zu können, sind viele Gehirnjogging-Programme ungeeignet, da sie zu einseitig nur bestimmte Gehirnbereiche stimulieren.

Zwar sind Leistungserfolge im Perfektionieren bestimmter Hirnleistungen trainierbar - die Trainingsszenarien zur Schulung einseitiger Denkroutinen sind jedoch allzu weit von realistischen Alltagssituationen entfernt, denen wir regelmäßig ausgesetzt sind.

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Im Video erfährst du, wie dir eine positive Lebenseinstellung im Alter helfen kann

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Neugierig bleiben!

So beherrscht ein bunter Mix aus Anforderungen den Alltag, dem ein Automatisieren von Denkabläufen wie etwa beim Kreuzworträtsel-Lösen oder Auswendiglernen von Texten nicht gerecht werden kann.

Um komplexe Prozesse auch mit zunehmendem Alter durch erhöhte geistige Flexibilität besser beherrschen zu können, sollten wir uns auf verschiedenste Weise fordern und fördern.

Hierzu besonders geeignet ist etwa:

  • das Erlernen einer komplett neuen Sprache
  • das komplette Organisieren eines Kindergeburtstags
  • das Einlesen und Vertiefen in eine neue, bislang noch völlig unbekannte Thematik
  • das regelmäßige Knüpfen neuer sozialer Kontakte oder auch
  • ein regelmäßiger Austausch mit Mitmenschen und Pflegen sozialer Kontakte.

So kann auch die Pflege eines komplett neuen Hobbys inklusive der damit verbundenen Kontakte mit Gleichinteressierten oder auch das Einbringen in einen gemeinnützigen Verein einen aktiven Beitrag dazu leisten, geistig rege und mental gesund zu bleiben.

Hinter allem steckt ein wertvolles Bekenntnis zur Neugierde, die wir uns alle bewahren sollten. Aber auch ein tägliches, mindestens 20-minütiges intensives Vertiefen in eine bekannte Thematik kann bereits nach zwei bis drei Monaten erste sichtbare Erfolge zeitigen.

Parallel dazu kann tägliche Bewegung, etwa in Form ausgedehnter Spaziergänge oder Gymnastik helfen, die Sauerstoffversorgung für einen funktionierenden Gehirnstoffwechsel zu optimieren und so maßgeblich zur dauerhaften geistigen Hygiene beizutragen.

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